Auf diesem Bild sehen Sie ein Bild vom Corvette C7 Z06 Umbau

The Dualist - Der Alleskönner

Ein Übersetzter Artikel aus dem Corvette Magazine.

Darren Friedmans modifizierte Corvette C7 Z06 bewährt sich gleichermaßen auf der Straße wie auf der Rennstrecke

Um die Aufmerksamkeit von Darren Friedman zu erregen, braucht es schon ein besonderes Auto. Denn Darren Friedman sind schnelle und aufregende Autos nicht fremd. Darren horchte dennoch besonders auf, als er im Jahre 2014 den Prospekt über die in Kürze erhältlichen 2015er Corvette Z06 und ihre serienmäßige Ausstattung in die Hände bekam. Das Datenblatt der seit 1953 in mehreren Generationen gebauten amerikanischen Legende versprach, dass die Bestie mit einem 6,2-Liter-Direkteinspritzer von Typ LT4 ausgestattet sei, der 650 aufgeladene Pferdestärken zu leisten verspricht. Hinzu kommen "Kleinigkeiten" wie einige Leichtbaukomponenten einschließlich Dach und Hauben aus kohlenstoffaserverstärktem Kunststoff (CfK), Verbundböden und Aluminium Space Frame, das bereits vom Vorgänger bekannte System "Magnetic Ride Control", eine elektrische Servolenkung, wahlweise ein Siebengang-Schaltgetriebe oder Achtgang-Automatikgetriebe; ein elektronisch gesteuertes Differential, drei verschiedene Aerodynamik-Pakete und eine lange Liste weiterer Besonderheiten. Somit versprach das Topmodell der 2015er Corvette, echte Supersportwagen-Leistung mit unübertroffener Effizienz, Alltagstauglichkeit und Langlebigkeit zu kombinieren. Und das beste daran war: der Grundpreis der neuen Vette lag mit 78.995 US-Dollar einige Zehntausend Dollar unter der der Wettbewerber, sofern es vergleichbare Autos überhaupt gab.

Darren Friedmans Lebensstil bezüglich des Lebens im Allgemeinen und bezüglich Autos im Besonderen wird durch eines seiner Lieblingszitate sehr treffend zusammengefasst: "Es ist besser, für einen Moment wie ein Rennfahrer zu agieren, als ein Leben lang lediglich Zuschauer zu sein." Dieses Credo führte ihn dazu, seine Firma "Speed Limit Racing" zu gründen, ein Unternehmen in Form einer Rennfahrschule, welches auf einer sicheren und soliden Basis seinen Kunden eine Vielzahl von Programmen anbietet, darunter Sportfahrunterricht auf der Rundstrecke, Autocross und Track Days. Die C7 Z06 Corvette war also wie maßgeschneidert für Friedman gemacht, und niemand sollte je Zweifel daran gehabt haben, was Darren mit seiner Corvette anstellen würde, wenn er sie erst in seinen Händen hätte. 

Es überrascht nicht, dass Friedman das Z07 Performance Package für seine Z06 extra geordert hat. Diese Option verwandelt ein ohnehin schon brutales Auto in die spurstärkste Variante, die Chevrolet bzw. Corvette seit 1953 je produziert hat. Das Package beinhaltet größere Endplatten für den Frontdiffusor, einen transparent gehaltenen und verstellbaren, so genannten "Wickerbill", also einen Gurney Flap mit spezieller Abrisskante am Heckspoiler sowie eine einzigartige Fahrwerksabstimmung. Hinzu kommen Brembo Carbon-Keramik-Bremsscheiben (in den Größen 15,6 Zoll an der Vorder- und 15,3 Zoll an der Hinterachse). Komplettiert wird das Ganze durch Michelin Pilot Sport Cup 2 ZP-Reifen, die nur bei mindestens T-Shirt-geeigneten Temperaturen zu fahren sind. Friedman wartete geduldig auf den Tag, an dem sein Wagen ausgeliefert werden sollte, und als der Händler endlich anrief, spurtete Friedman fast genauso schnelle los wie das Fahrzeug, auf das er gewartet hatte. "Nachdem ich im Mai 2015 meine Corvette Z06 erhalten habe", erklärt er, "habe ich sofort begonnen, sie mit den empfohlenen 500 Meilen Distanz einzufahren, habe unmittelbar danach das Öl gewechselt und bin schließlich direkt zur Rennstrecke gefahren."

In den 1980er Jahren liefen in den USA einige recht eigenartige TV-Werbespots einer Firma für Haartransplantation namens "Hair Club for Men". In diesen Spots trat regelmäßig ein gewisser Mr. Sperling auf, der Inhaber des Hair Club for Men, und wurde dabei nicht müde zu betonen, dass er, Sperling, nicht nur der Inhaber seiner Firma sei, sondern aufgrund seines bereits schütter gewordenen Haares gleichzeitig auch sein bester Kunde. Um im Bilde zu bleiben, ist es bei Friedman nicht anders. Friedman ist nicht nur der Präsident und Inhaber von Speed Limit Racing, er ist auch sein wahrscheinlich bester eigener Kunde. In der Tat wird diese Behauptung schwerlich zu bestreiten sein, stehen doch mehr als 150 Track-Events im Rennkarriere-Lebenslauf von Friedman. "Und diese Zahl wächst stetig", verrät Friedman, "weil ich jeden Monat an mindestens drei oder vier Veranstaltungen in ganz Kalifornien und in den Nachbarstaaten teilnehme."

Friedman hat über die Jahre hinweg mit verschiedensten Fahrzeugen an Track Days teilgenommen. Neben seiner 2015er Corvette fährt er aktuell einen Porsche Cayman GT4, einen BMW M3, einen Porsche 911 Turbo S und einen Kirkham 427 Cobra. Wie schlägt sich angesichts dieser prätentiösen Konkurrenz hierbei nun die Z06? "Mein erster Eindruck war, dass man mit der Z06 eine Menge Auto fürs Geld erhält. Dann zeigte mir jedoch die Erfahrung mit dem Auto, dass es die Z06 nicht besonders mag, wenn man sie bei höheren Temperaturen in ambitionierterem Stil bewegt. Nachdem ich zwei oder drei schnelle Runden absolviert hatte, kam es zu Überhitzungsproblemen und die Vette schaltete automatisch in den gefürchteten "Schonmodus". Das gefiel mir nicht. Ich musste an dieser Situation etwas ändern."

Das "Etwas", für das Friedman sich entschied, war weder mit geringem Aufwand zu bewerkstelligen noch war es billig, doch die erhofften Ergebnisse waren praktisch garantiert: Er schickte die heißlaufende Corvette in die Niederlassung von Callaway Cars im kalifornischen Temecula. "Das Überhitzungsproblem hat mich gleich auf die Idee gebracht, zuerst an Callaway zu denken", erinnert sich Friedman. "Doch das war nur ein Teil meiner Überlegungen. Da ich im Laufe der Zeit so viel Erfahrungen durch Rennen gesammelt habe, stiegen auch meine Fahrkünste und Ansprüche, und so wollte ich, dass das Auto noch schneller wird, und das SC757-Paket schien mir dabei eine große Hilfe zu sein", meint Friedman.

Im Grunde genommen besteht der Umbau aus dem GenThree TVS2300 Kompressor von Callaway und dem TripleCooled Intercooler-System, zusammen mit einem High Flow-Ansaugsystem, beides Maßnahmen, durch welche das Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich steigen soll. Das GenThree-Gebläse wurde im Haus von Callaway-eigenen Ingenieuren entwickelt, wobei der Schwerpunkt auf der Reduzierung der Ladelufttemperaturen und der Erhöhung des Durchflusses gelegt wurde. Bei den bisherigen Kompressoren von Callaway (und auch bei den meisten anderen Herstellern) wird die Druckluft durch einen einzelnen Ladeluftkühler geleitet und dann nach unten in einen Verteiler, der sodann zu allen Zylindern führt. Mit dem neuen Design drehten die Ingenieure die Rotoreinheit des Kompressors um 180 Grad um, um somit die Luft statt nach unten nunmehr nach oben zu leiten. Die Luft durchströmt dann den primären Intercooler und strömt weiter durch die Gehäuseseiten. Die Flüssigkeit innerhalb des Ladeluftkühlers zirkuliert durch einen vor dem Hauptkühler befindlichen weiteren Wärmetauscher.

Nach dem Durchlauf durch den primären Ladeluftkühler strömt die Luft durch den oberen Teil des Ladergehäuses. Da das Ladergehäuse sich in eine Öffnung in der Haube erweitert und somit der Außenumgebungsluft ausgesetzt ist, kühlt es die einströmende Luftmenge weiter durch Konvektionstransfer. Schließlich durchläuft die Luftmenge zwei weitere Ladeluftkühler (nämlich einen für jede Zylinderbank) für eine zusätzliche Wärmeentnahme, bevor sie in die Brennkammern weitergeleitet wird.

Laut Callaway führt dieses durchdachte Design zu einem Anstieg der Einlasslufttemperatur von weniger als 6 Grad Celsius – Callaway spricht von 10 Grad Fahrenheit. Dies ist eine enorme Verbesserung gegenüber herkömmlichen Systemen, die diese Temperaturen in der Regel um mindestens 35 Grad Fahrenheit (rund 20 Grad Celsius) erhöhen. Die enorme Reduzierung trägt dazu bei, das Phänomen der Ansaugung von zu heißer Verbrennungsluft zu vermeiden, für das alle aufgeladenen Fahrzeuge mit Rennsportgenen anfällig sind.

Die Callaway TVS2300 wird mit einem 2300 ccm großen Eaton TVS-Rotorpackage hergestellt, das 32 Prozent größer ist als die Corvette-werksmäßige Z06-Einheit mit 1740 ccm. Die größere Dimensionierung gilt sowohl für die Außenseite als auch für die Innenseite des Rotorsystems, womit die Installation des GenThree-Systems unter der werksmäßigen Motorhaube einer Corvette nicht mehr in Frage kommt. Callaway löste dieses Problem und verbesserte gleichzeitig die Kühlung, indem es das Gehäuse des Kompressors durch ein kleines "Fenster" in der modifizierten Haube hervorstehen lässt.

Das Callaway SC757-Paket erhöht die werksseitige Leistung des LT4 von 650 SAE-PS und 880 Nm Drehmoment auf 757 SAE-PS und 1050 Nm. Callaway gibt den Standardsprint des SC757 von 0-100 km/h mit rund 2,8 Sekunden an (dies ist der Messwert für den in den USA üblichen Sprint von 0-60 mph), die stehende Viertelmeile wird in 10,5 Sekunden mit 210 km/h durchlaufen. Obwohl wir diese Messwerte noch nicht bestätigen können, gab uns unsere jüngste Erfahrung mit einem SC757-angetriebenen AeroWagen ("Shooting Star") im September 2017 keinen Anlass, daran zu zweifeln. Zum Vergleich: Die Werte einer Serien-Corvette Z06 liegen für den Sprint vom 0-60 mph bei 3,0 Sekunden und für die Viertelmeile braucht das Serienfahrzeug 11,4 Sekunden bei einer Endgeschwindigkeit von 207 km/h. 

Während Callaways innovatives Kompressor-Design und die sorgfältige Luftführung der Luftladekühlung bereits gute Verbesserungen darstellen, wollte Friedman weiter dafür sorgen, dass sein Auto, welches er fast täglich auf der Straße fährt, selbst an den heißesten kalifornischen Sommertagen nicht an Überhitzungsprobleme leiden würde. Zu diesem Zweck entschied er sich, zusätzlich ein "Super Cool Track Package" von LG Motorsports zu installieren. "Die Überhitzungsproblem war für viele Z06-Besitzer ein echtes Thema, und ich war entschlossen, ihm den Garaus zu machen", erklärt er. "Ich habe mich mit Donny Yorke beraten, der Chevrolet-Mechaniker und Allround-Corvette-Experte in ein und derselben Person ist und bei Speed Limit Racing für alle nur denkbaren Aspekte der Vorbereitung von Rennwagen verantwortlich zeichnet. Wir stellten fest, dass das System von LG Motorsports das beste am Markt verfügbare war, und Donny hat dann den kompletten Einbau vorgenommen."

Das Super Cool Track Package ist nicht nur einfach eine Sammlung neuer Teile, sondern vielmehr ein komplette neues technisches System. Es verlegt den werksseitigen Getriebekühler von der Front des Autos nach hinten und paart ihn mit einem zusätzlichen Kühler. Die serienmäßigen Ladeluftkühler werden durch "LG 12 Super Cooler"-Einheiten ersetzt, die in den Radhausbereichen vor jedem Vorderrad montiert sind. Große mit Gittern versehene Öffnungen in der Frontblende führen die Außenluft zu diesen Ladeluftkühlern, während windkanalgetestete Luftschlitze in den inneren Radkästen die Luft wiederum nach außen leiten. Ein überarbeiteter Lüftersatz und Kühler runden das umfassende Kühlsystem ab.

LG Motorsports hat seinen Sitz in Texas, so dass es ohne Probleme möglich war, das Setup nach dem Einbau auch gleich unter extremen Bedingungen zu testen. LG Motorsports behauptet, dass das Super Cool Track Package die Test-Z06 sogar vor einer Überhitzung bewahrt habe, obwohl die Temperatur auf der Rennstrecke deutlich über 37 Grad Celsius betragen habe. Friedmans Erfahrung hat dies bestätigt: "Ich fahre in einer Vielzahl von sehr anspruchsvollen Situationen, von Autocross über enge kurvige Strecken bis hin zu High-Speed-Strecken wie Fontana, wo ich mit Runde für Runde Geschwindigkeiten von über 265 km/h erreiche, und die Temperaturen im Auto bleiben bei vernünftigen Werten und sind keinesfalls zu hoch", berichtet er. "In der Tat werden alle Betriebsflüssigkeiten, also Motorkühlmittel, Motoröl, Getriebeöl und Differentialöl, auf normale Betriebstemperatur gebracht und die Temperaturen bleiben dann dort - selbst an den heißesten Tagen."

Mit der gelösten Überhitzungsthematik und kraftvollen 757 SAE-PS am rechten Fuß zeigt sich, dass Friedman von seiner Z06 begeistert ist. "Sie hat alles, was ich will und sogar noch mehr. Unter anderem trete ich in der Wilwood Corvette Challenge in der Ultimate-Klasse an (Darren führt derzeit in der Meisterschaft), so dass ich gegen einige Hardcore-Rennfahrer mit gewichtsoptimierten Autos mit riesigen Flügeln und so weiter antrete. Dieses Auto mit seinem komplett serienmäßigen Innenraum und zudem der schweren Klimaanlage, ist dabei gegen alle voll konkurrenzfähig. Die Z06 ist schon serienmäßig eine fantastische Fahrmaschine, und das Callaway-Paket macht sie schließlich wirklich zu einem Rennwagen, den man auch ganz normal auf der Straße fahren kann."